Rettet den Klosterwald

„Ein Schlag unter die Gürtellinie“

Windenergie: Trotz der Genehmigung des geplanten Windparks will die BI „Rettet den Klosterwald“ ihr Engagement fortsetzen

„Ein Schlag unter die Gürtellinie“

 

Diese Silhouette des Klosterwaldes zwischen Frauental und Reinsbronn gehört wohl bald der Vergangenheit an. Nach der Genehmigung des Baus von zehn Windkraftanlagen durch das Landratsamt Main-Tauber (wir berichteten) werden sich hier voraussichtlich ab Herbst 2015 zehn Rotoren drehen.

© Boas

Creglingen. "Dem Naturschutz wird damit ein weiteres Mal ein Schlag unter die Gürtellinie versetzt": In dieser Deutlichkeit kritisiert die Bürgerinitiative "Rettet den Klosterwald" in einer Presseerklärung die jetzt erfolgte Genehmigung des Landratsamtes zum Bau von zehn Windkraftanlagen im Klosterwald. Drei verschiedene Investoren planen dort insgesamt zehn Windkraftanlagen. Neun stehen im Wald, eines am Waldrand.

 

Mit der Genehmigungs-Entscheidung werde einmal mehr deutlich, dass in Sachen Naturschutz vielfach nur Fensterreden haltende Behördenleiter regelmäßig "umfallen" würden, beziehungsweise ihre Abteilung Untere Naturschutzbehörde an die Kandarre nähmen, wenn es darum gehe, die "weitgehend ideologisch motivierten Pläne zur Windkraft-Forcierung in Befolgung politischer Vorgaben der "grün-rot" geführten Landesregierung umzusetzen. Dabei, so die Einschätzung der BI, werde gegen "zwingend einzuhaltende Natur- und Vogelschutz-Gesetze verstoßen.

"Wir verurteilen die jetzt vom Landratsamt in Tauberbischofsheim ausgesprochene Genehmigung zum Bau eines Windparks im Creglinger Klosterwald, der zehn bis zu 230 Meter hoch werdende Windindustrieanlagen an einem natur- und landschaftssensiblen und für das ökologische Gleichgewicht der Region wichtigen Wald-Standort umfassen soll," betonte BI-Sprecher Eckehard Bach. Die BI kritisiert außerdem, dass die Genehmigung erteilt worden sei, obwohl zwei "objektiv urteilende Sachverständige" - darunter der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V. - unabhängig voneinander in ihren Gutachten zu einer Ablehnung der Windkraft-Pläne gelangt seien. Besonders verwerflich sei die Genehmigung auch deshalb, so Eckehard Bach, weil sie selbst entgegen Empfehlung von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit ohne reale, durch Aufstellung eines Wind-Messmasts erfolgte Ist-Windmessung regelrecht "durchgepeitscht" worden sei, lediglich basierend auf "am grünen Tisch schön gerechnete", viel zu optimistisch dargestellte Wunsch-Daten. Es sei in Baden-Württemberg einmalig, dass ein aus zehn Anlagen bestehender Windpark ohne eine einzige echte, vor Ort über einen repräsentativen Zeitraum erhobene Windmessung genehmigt worden sei, heißt es in der Pressemitteilung der Bürgerinitiative weiter.

 

Alle in Baden-Württemberg angestellten Vergleiche zwischen Wind-Prognose (Soll) und späterem Real-Betrieb (Ist) würden eine Minus-Abweichung von durchschnittlich zirka 30 Prozent belegen. Aufgrund dieser Negativ-Abweichungen würden seit einigen Monaten an allen in Baden-Württemberg neu geplanten Windkraft-Standorten vor dem Bau Windmessungen durchgeführt, die durch Aufstellung eines Wind-Messmasts erhoben werden. Aufgrund der so erhobenen Real-Windmessungen sei es in jüngster Vergangenheit bereits in der Planungs-Phase mangels Wirtschaftlichkeit zum Rückzug von Investoren gekommen, erklärte die BI. Die BI kritisiert außerdem die Haltung des Creglinger Bürgermeisters Uwe Hehn, der sich von Anfang an vor allem für die Interessen der vor Ort agierenden Windkraft-Lobby beziehungsweise einiger weniger Personen eingesetzt habe und nicht für die Interessen der Allgemeinheit und "schon gar nicht für die Bürger in den direkt betroffenen Orten Freudenbach, Frauental und Reinsbronn". Diesen Dörfern werde die Zukunftsfähigkeit genommen.

Der Mehrheit des Creglinger Gemeinderates wirft die BI "völliges Versagen" vor. Die "auf Druck der Windkraft-Lobby und des Bürgermeisters" sowie angesichts der Komplexität der Materie größtenteils überforderten Mitglieder des Gemeinderats müssten mit dem Vorwurf leben, als "Steigbügelhalter und Helfershelfer der Windkraft-Lobby" bei der Zerstörung einer Jahrhunderte alten Kulturlandschaft maßgeblich mitgewirkt zu haben, schlägt die BI deutliche Töne an.

Die Bürgerinitiative will jetzt den ihrem Rechtsanwalt zugegangenen Genehmigungsbescheid "in aller Ruhe und intensiv prüfen" und innerhalb einer 4-Wochenfrist eine entsprechende Entscheidung zur weiteren Vorgehensweise treffen.

Man werde sich auch künftig für den Schutz der Natur und der Landschaft im Taubergrund und gegen durch Windkraft verursachten "Natur- und Landschaftsfrevel einsetzen," schließt die Presseerklärung.

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 16.08.2014
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