Rettet den Klosterwald

Eine solche Sitzung in 15 Jahren noch nicht erlebt

Leserbrief: Zum geplanten Windpark im Klosterwald

Eine solche Sitzung in 15 Jahren noch nicht erlebt

Von Jürgen Baur

Eigentlich wäre ein fairer Kompromiss möglich gewesen, der Windkraftgegner und Befürworter weitestgehend zufrieden gestellt und keine Verlierer zurückgelassen hätte. Eine offene Informationspolitik, Flexibilität bei der Auslegung des EEG und zweifelsfreie Gutachten seitens der Landesbehörden ForstBw und WEBW sowie der Stadt in den letzten zwei Jahren wären dafür die Voraussetzung gewesen.

 

Stattdessen stehen sich die Creglinger Bürger an schier unüberwindbaren Gräben gegenüber. Gleiches gilt auch für ihre gewählten Entscheidungsträger, den Gemeinderat. Dieser wird nun wohl letztendlich über "Sieger und Verlierer" entscheiden. Wie auch immer es ausgeht, es wird tiefe Wunden in den Köpfen und in jedem Fall in der Natur und unserer Heimat für Jahre hinterlassen. Welche Auswirkungen diese "Politik" und das Vorgehen der Behörden, hier schließe ich auch Prof. Dr. Reinhart und Landrat Frank mit ein, am Ende genommen hat, spiegelte sich in der Gemeinderatsitzung vom 15. April wider. Es grenzt schon an eine Schande, was sich der Creglinger Gemeinderat in dieser Sitzung aus den eigenen Reihen hinsichtlich der Abstimmung über die Teilfortschreibung des Flächennutzungsplans geleistet hat.

Zunächst wurden wir darüber belehrt, dass wir als Gemeinderäte eine Mitverantwortung bei der Umsetzung der Energiewende in Deutschland und natürlich speziell in Creglingen hätten. Im Anschluss mussten wir 8. Klasse-Wissen über die Auswirkungen des CO2 auf den Wald über uns ergehen lassen (einfach unter Niveau!). Und zum Schluss: Der Antrag auf geheime Abstimmung.

 

Transparenz und Offenheit? Fehlanzeige! Eine solche Sitzung habe ich in 15 Jahren als Stadtrat noch nicht erlebt. Dass dann auch noch bei der Abschlussabstimmung der Beschluss der drei direkt betroffenen Dörfer, die sich gegen die Teilfortschreibung in der jetzigen Form ausgesprochen hatten, ignoriert wurde, bricht ein ungeschriebenes Gesetz in Creglingen: Sich den Entscheidungen der Ortschaftsräte in Ortsangelegenheiten anzuschließen.

Als Stadtrat bin ich ein gewählter Vertreter der Bürger Creglingens und damit in erster Linie ihnen und ihren Interessen und Bedürfnissen verpflichtet. Ich bin nicht dazu verpflichtet, mich vor den Grün-Roten Karren zu spannen, um die Quotenerfüllung einer Landesregierung beim Bau von Windrädern ohne schlüssiges Konzept und auf dem Rücken der Creglinger Bürger austragen zu lassen. Die Wünsche der Regierung kommen für mich ganz zum Schluss trotz EEG. Denken, eine eigene Meinung haben und gerade deshalb verantwortlich handeln, das darf jeder von uns noch immer selbst.

Der Grün-Roten Landesregierung sind die steigenden Sorgen der Bevölkerung hier in Creglingen in Sachen Windenergie, egal. Sie trifft ihre Entscheidungen im weit entfernten Stuttgart und lässt diese über die "Erfüllungsbehörden" Forst BW und WEBW vor Ort in die Tat umzusetzen. Eine dieser Entscheidungen ist es, die im Klosterwald angedachten Windräder als Modellprojekt für Bürgerbeteiligung auszuweisen.

Dass wir dabei, wie sich deutliche herauskristallisiert, von vorn herein über den Tisch gezogen werden sollten ist offensichtlich. Wie wir wissen soll dieses Modellprojekt dazu dienen, den Bürger die Möglichkeit zu geben, sich finanziell an den Windrädern zu beteiligen. Eine Farce! Was wirklich passiert ist, dass kapitalstarke Anleger außerhalb Creglingens ihr Gewissen frei kaufen. Sie behaupten danach: Wir haben alles für die Energiewende getan!

Dies geschieht leider alles auf Kosten der Creglinger. Die Windräder stehen nun mal vor unserer Haustür! Unsere Heimat wird zerstört, unsere Wohnqualität sinkt enorm und damit unser aller Wohlbefinden. Die unverbaute Natur und unsere direkte Umgebung werden dabei auf Jahrzehnte geschädigt und verschandelt!

Ich behaupte, die Mehrheit der Politiker aus Stuttgart und die Investoren haben keine Windräder in 950 m Entfernung mit 200 m Höhe von ihrem Wohnort stehen. Wenn ja, wüssten sie sich dagegen zu wehren!

Anstelle immer mehr Windräder ohne schlüssiges Konzept zur Überproduktion von Energie zu bauen, stünde es der Regierung gut zu Gesichte, sich stattdessen mit den Themen Energiespeicherung, Energietransport und Energieeinsparprogrammen zu beschäftigen. Ich fordere sie also auf, machen sie endlich ihre Hausaufgaben!

Creglingen hat seine Hausaufgaben in Sachen Energiewende bereits vor langer Zeit gemacht.

Durch die bereits bestehenden Windräder, Biogasanlagen und Solardächer haben wir mehr als genug zur Energiewende beigetragen.

Fazit: Genug ist genug! Wenn es so kommt, wie es geplant ist, haben die Nachteile nur die Creglinger Bürger und diese auf Jahrzehnte hinaus.

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 03.05.2014
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