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FN 3 vom 17.01.2014


Windpark Klosterwald: Das Projekt steht kurz vor der Realisierung / Initiatoren rechnen mit der Baugenehmigung in zirka vier Wochen / Bürgerversammlung

Rodungen sollen im Februar beginnen

 

Von unserem Redaktionsmitglied Arno Boas

 

Aus vier Richtungen (siehe Pfeile) erfolgen die insgesamt zirka 1200 bis 1400 Transporte für das Material zum Bau des Windparks Klosterwald.

© Arno Boas

Reinsbronn. Der Windpark Klosterwald steht kurz vor der Realisierung. Die Verantwortlichen rechnen mit der Baugenehmigung für die zehn Windkraftanlagen in zirka vier Wochen. Danach soll zeitnah mit den Rodungen begonnen werden. Bei einer gut besuchten Info-Veranstaltung im Gemeindehaus Reinsbronn erhielten rund 70 Bürger Einblick in die umfangreichen Planungen. Ungeachtet dessen blieben auch Detail-Fragen offen, unter anderem zum Schallschutz, zur Wirtschaftlichkeit, zum Schattenwurf, zur Nachtbefeuerung oder zu den ökologischen Ausgleichsmaßnahmen. Außerdem blieben viele Besucher bei ihren grundsätzlichen Bedenken gegen Windräder im Wald.

 

Bürgermeister Uwe Hehn, der zusammen mit zwei Vertretern der Windenergie Baden-Württemberg (WEBW) und Planer Rainer Schulz aus Weikersheim auf dem Podium im Gemeindehaus saß, rief die lange Vorgeschichte in Erinnerung. "Seit März 2011 hat es unzählige Besprechungen, Termine und Info-Abende gegeben". Die Windkraft habe dabei zum Teil erheblichen Streit in die Dörfer getragen, bedauerte der Verwaltungschef.

Den Investoren - der Firma MVV Energie aus Mannheim, der WEBW und der Firma Wirthwein - bescheinigte der Bürgermeister, dass sie Zugeständnisse gemacht hätten, die sie "nicht hätten machen müssen". Unter anderem hätten sie den Abstand von 950 Metern zu der Wohnbebauung akzeptiert, obwohl der Winderlass der Landesregierung bei Dörfern nur 700 Meter vorschreibe. In drei Fällen gab es bei den Standorten der einzelnen Anlagen leichte Veränderungen im Vergleich zur ursprünglichen Planung, bedingt durch forstwirtschaftliche und naturschutzrechtliche Gesichtspunkte. Unter anderem wurde ein Eichenaltholzbestand geschont, außerdem ausreichend Abstand zu Waldrefugien eingehalten.

 

Das Gerücht, dass für eine der Standort-Verschiebungen Geld seitens der Stadt an einen Reinsbronner Landwirt geflossen sei, wies Uwe Hehn entschieden zurück: "Niemand hat von der Stadt Geld bekommen, das ist eine ehrverletzende Unterstellung".

Das mindeste sei, dass sich der Gerüchte-Verursacher dafür entschuldige, fand Uwe Hehn deutliche Worte.

Planer Rainer Schulz erläuterte, dass trotz der Verschiebungen der erforderliche Abstand von rund 60 Metern zum Privatwald eingehalten werde. Zur Eiswurf-Problematik sagte der Planer, dass die Anlagen mit einem Modul ausgestattet seien, das per Sensor die Anlage abschalte, wenn Eiswurf drohe. Eine Betreiber-Haftpflichtversicherung kommt seinen Worten zufolge für etwaige Schäden auf.

Obwohl die Waldwege im Klosterwald recht gut ausgebaut sind, müssen sie zum Teil verbreitert und auch verstärkt werden, um die schweren Lasten zu tragen. "Die Wege sind momentan in der Vermessung," erklärte Rainer Schulz. Auch ein Teil der Anfahrtswege muss ausgebaut werden für den Transport der schweren Teile. "Diese Wege bleiben dann natürlich in dem ausgebauten Zustand, was der Bevölkerung zugute kommt", führte Schulz aus.

Die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen spricht die Stadt Creglingen mit dem Umweltamt des Landratsamtes ab. Sie sollen überwiegend auf städtischen Flächen erfolgen. Bürgermeister Uwe Hehn will darauf drängen, dass die Projekte vor allem in den betroffenen Gebieten durchgeführt werden, also rechts der Tauber. "Das gehört sich so," betonte das Stadtoberhaupt.

Der Genehmigungsbehörde kommt ohnehin eine zentrale Rolle zu in dem Verfahren, denn in der Baugenehmigung werden neben vielen anderen auch Themen wie Brandschutz und Beleuchtung der Windkraftanlagen geregelt.

Die Behörde kann zum Beispiel nach Inbetriebnahme des Windparks fordern, dass nochmals Messungen zum Schall oder zum Schattenschlag erfolgen, wenn sich dies als erforderlich zeigen sollte - etwa wenn die Grenzwerte wider Erwarten nicht eingehalten würden. Die Initiative hierzu müsste jedoch von den betroffenen Anwohnern kommen. Uwe Hehn geht davon aus, dass es auch künftig bei den maximal zehn Anlagen bleibt, denn: "Angesichts sinkender Einspeisevergütungen wird die Windkraft eher unattraktiver". Falls es einmal zu einem Rückbau der Windkraftanlagen kommen sollte, darf dies nicht am Geld scheitern. Denn die Investoren müssen eine Bürgschaft hinterlegen - im Klosterwald eine siebenstellige Summe - damit im Falle des Falles die Finanzierung des Rückbaus gesichert ist.

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 17.01.2014
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