Rettet den Klosterwald

FN vom 29.01.2014

Creglingen: Gemeinderat stimmt dem Antrag zum Bau von zehn Windkraftanlagen im Klosterwald nur mit denkbar knapper Mehrheit zu

„Zehn Anlagen sind der Tod des Waldes“

 

Von unserem Redaktionsmitglied Arno Boas

 

 

Mit der hauchdünnen Mehrheit von 10:9 Stimmen segnete der Creglinger Gemeinderat das Baugesuch zum Bau von zehn Windkraftanlagen im Klosterwald ab.

© Boas

Creglingen. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von 10:9 Stimmen hat der Creglinger Gemeinderat am Montag dem Antrag zum Bau von zehn Windkraftanlagen im Klosterwald zugestimmt. Vorangegangen war eine leidenschaftliche Diskussion, die vor allem zeigte, wie tief die Gräben zwischen Gegnern und Befürwortern des rund 34 Millionen Euro teuren Projekts sind. Mit in den Beschluss aufgenommen wurden die Anregungen der Ortschaftsräte Frauental, Reinsbronn und Freudenbach, unter anderem zum Brand- und Lärmschutz.

 

Der Romschlössle-Saal konnte die Zuhörer schier nicht fassen. Es mögen gut 70 Besucher gewesen sein, die das seit Monaten umstrittenste Thema im Raum Creglingen in die Sitzung des Gemeinderats gelockt hatte. Eine Rekord verdächtige Zahl, ebenso wie die Dauer der Bürgerfragestunde. Über eine Stunde lang ließ Bürgermeister Uwe Hehn die Menschen zu Wort kommen (siehe weiterer Bericht). Auch im Gremium selbst gab es zwei Lager, unabhängig von der Parteizugehörigkeit.

Otto Striffler aus Waldmannshofen räumte einen Sinneswandel ein. "Drei bis vier Anlagen hätte ich mittragen können, aber jetzt diese zehn gigantischen Anlagen, die wären der Tod des Klosterwaldes als Waldgesamtgebiet".

 

Als "widersinnig" bezeichnete es Otto Striffler, einerseits aufgrund eines einzigen geschützten Vogels - der Wiesenweihe - im Bereich Waldmannshofen Windräder zu untersagen, andererseits aber bei einer viel größeren Anzahl geschützter Vögel im Klosterwald dort Windkraftanlagen zuzulassen. Er betonte seine grundsätzliche Bereitschaft, sich einem Bürgerbegehren gegen das Projekt anzuschließen.

Ebenfalls übergetreten in die Reihe der Gegner ist Stadträtin Sabine Kutterolf-Ammon. "Auch ich bin lernfähig". Die Argumente hätten sie überzeigt. "Lärm und Schattenwurf machen krank, außerdem wird der Wald zerstört", begründete die Creglinger Ortssprecherin ihre Ablehnung. Auch Stadtrat Jürgen Dehner versagte dem Baugesuch seine Zustimmung: "Die zehn Anlagen waren schon länger im Gespräch, aber ich hatte insgeheim gehofft, dass es am Ende nur sechs oder sieben werden", sagte der Niedersteinacher. Sein Hauptthema seien die Anliegen der Bürger. Jürgen Dehner hatte sich zum Beispiel vergeblich für eine Höhenbegrenzung der Anlagen ausgesprochen und dem Schutz vor Schattenwurf und Lärm besondere Bedeutung beigemessen.

Reduzierung nicht möglich

Stadtrat Karl Haag regte an, die Zahl der Windräder zu halbieren. Diesem Anliegen erteilte Bürgermeister Hehn eine klare Absage. "Das geht nicht. Schließlich haben wir den Flächennutzungsplan selbst so beschlossen, die Räder sind zulässig".

Als eine der "einschneidendsten Baumaßnahmen" in der Creglinger Geschichte bezeichnete Stadtrat Fritz Danner den geplanten Windpark angesichts der baulichen und finanziellen Dimensionen. Danner, der das Projekt schon immer abgelehnt hat, bekräftigte seinen Standpunkt: "Mir geht es um die Lebensqualität der Menschen, und denen sind wir es schuldig, mit kühlem Kopf zu entscheiden". Die räumliche Struktur mit den zahlreichen nah beieinander liegenden Dörfern mache eine Bebauung mit Windrädern unmöglich: "Das ist dann einfach nun mal so".

Mit Blick auf das artenschutzrechtliche Gutachten und die darin enthaltene negative Gefahren-Bewertung für Vögel wie den roten Milan meinte Fritz Danner, er könne es nicht hinnehmen, "für dumm verkauft" zu werden. "Der Vogel fliegt sicher nicht um den Klosterwald herum". Auch Siegfried Schambortzki sprach sich generell gegen den Bau von Windrädern im Wald aus.

Bürgermeister Uwe Hehn räumte zwar ein, die in der Bürgerversammlung in Reinsbronn präsentierte Visualisierung sei nicht aussagekräftig, aber er brach auch eine Lanze für die Investoren. "Sie haben offen aufgeklärt," betonte das Stadtoberhaupt etwa mit Blick auf das Thema Schattenwurf.

Keinen leichten Stand hatten die Befürworter des Projekts, ihre Ausführungen wurden aus dem Publikum wiederholt mit Buh-Rufen quittiert. Stadtrat Rudi Müller bekannte sich freimütig zu dem Vorhaben: "Ich bin froh, wenn sie gebaut werden". Zum einen müsse man die Konsequenzen aus der Energiewende tragen, zum anderen bekomme die Stadt immerhin Geld aus dem Pachtvertrag, das sie in Kinderbetreuung und in die Infrastruktur investieren könne. Zwei der zehn Windräder stehen auf kommunalem Grund.

Gegen das St. Florians-Prinzip

Stadtätin Dr. Anne Emmert brach ebenfalls eine Lanze für die Windenergie. "Es ist nicht die Landesregierung, die für die Energiewende verantwortlich ist, sondern es gibt seit 2011 eine bundesweite Einigung über die Energiewende". Der Gemeinderat könne die Rahmenbedingungen nicht einfach ignorieren. "Wir müssen alle unseren Beitrag leisten", forderte die Niederrimbacherin, die das Blinken der Niederrimbacher Windkraftanlagen auch sieht, "wenn ich zu Bett gehe".

Niemand stelle die Windräder gerne in den Wald, aber "wir müssen wohl oder übel dem einen oder anderen auf die Füße treten". Anne Emmert warb für mehr Akzeptanz des Projekts und sprach sich gegen das "St. Florians-Prinzip" aus.

Mit zehn zu neun Stimmen segnete der Gemeinderat den Bauantrag ab. "Wir haben hier Recht zu vollziehen", unterstrich der Bürgermeister. "Eine Ablehnung wäre rechtswidrig", ergänzte Uwe Hehn unter dem großen, verständnislosen Raunen des Publikums,

© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 29.01.2014                   
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