Rettet den Klosterwald

Leserbrief 3 vom 05.03.2014

Leserbrief: Zum Bericht „Entsetzt und empört“ (FN 3. Januar)

Vielleicht war es nur ein schlecht gemachter Faschingsscherz?

 

Von Thomas Reiser

 

Entsetzt und empört", Entrüstungssturm, der Kreisverband der Grünen Main-Tauber ist erschüttert! Vorab: Das Scholl-Zitat war schon 1994 zumindest schlechter Humor, und auch 20 Jahre später dürfte es dem doch sympathischen Mehmet nur noch peinlich sein.

 

Letztlich versuchte er seine verbale Blutgrätsche, um in der Fußballersprache zu bleiben, wieder einzufangen, als er auf die spätere Frage, wen er wähle, sagte: "Grün natürlich, ich kann sie ja nicht hängen lassen."

Soweit die hiesigen Grünen aber nun erklären, Mehmet Scholl habe damals mit seinem Zitat ironisch zu mehr Umweltschutz aufrufen wollen und dies sei aber bzgl. des Plakates in Creglingen und dem Verhalten der hiesigen Bürgerinitiativen ganz anders, darf dies nicht widerspruchslos hingenommen werden. Woher kommt das aktuelle Verständnis der Grünen Main-Tauber für das Zitat aus 1994 bei Mehmet? Alles nur Ironie bei Mehmet? Wahrscheinlich haben Sie vergessen, dass Hans Linde vom Bündnis 90/Die Grünen damals Strafanzeige erstattet hat. Er sah den Straftatbestand der Verunglimpfung und der Volksverhetzung erfüllt. Es war die Rede von einem öffentlichen Aufruf zum Mord. Dem Parteikollegen aus Hannover war 1994 die ironische Note des Aufrufs wohl entgangen. Aber die "bösen" Bürgerinitiativen, die mit dem Plakat in Creglingen nichts , auch gar nichts zu tun haben können, die sollen sich nun von Gewalt distanzieren. Bürgerinitiativen, die demokratisch und legitim die Position Umweltschutz auf dem Gebiet der Windkraft im Main-Tauber-Kreis anders interpretieren, die sollen Wegbereiter dieses Auswuchses in Creglingen sein? Sollen mitverantwortlich sein? Stellt sich nur die Frage: Wer war zuerst da, die Henne oder das Ei? Die hiesigen Bürgerinitiativen und auch die der angrenzenden Landkreise waren jedenfalls noch nicht "ausgebrütet" bzw. "geschlüpft" . Aber das wissen die Grünen doch auch. Unanständig wird es aber dann, wenn versucht wird, offenkundig nicht beteiligten Dritten Dinge in die Schuhe zu schieben, sie als Wegbereiter für ungeheuerliche Entgleisungen zu bezeichnen, sogar mit möglichen Straftaten in Verbindung zu bringen, für die sie nicht verantwortlich sind, besser, nicht sein können. Und dies mit den eigenen Worten der Presseerklärung "überlegt mit Vorsatz"! Klare Ansage an die Verfasser der Presseerklärung der Grünen: Mögen sie sich auch in der Vergangenheit durch Windkraftgegner subjektiv persönlich angegriffen und diffamiert gefühlt haben, unterlassen Sie doch bitte die vorsätzliche Diffamierungen politisch Andersdenkender und wenden Sie sich einem sachorientierten Wahlkampf zu. Wer meinen die Grünen eigentlich zu sein, sich anzumaßen, alle Bürgerinitiativen gegen die Windenergie müssten sich unmissverständlich von jeglicher Gewalt und insbesondere dem Aufruf zu einer Straftat distanzieren? Wollen Sie hierdurch politisch Andersdenkende kriminalisieren? Vielleicht habe ich auch etwas wesentliches als Faschingsnarr übersehen. Die Veröffentlichung der Presseerklärung erfolgte am Rosenmontag. War die Presseerklärung der Grünen gar nur ein schlecht gemachter Faschingsscherz? Das Jahr 1994 und Mehmet lassen grüßen.

 
© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 05.03.2014                   
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