Rettet den Klosterwald

Leserbrief vom 08.02.2014

Leserbrief: Zum geplanten Windpark im Klosterwald

Artenschutzgutachten ist eine Lachnummer

 

Von Eckehard Bach

 

Die geplante frevelhafte Abholzung eines teilweise über hundertjährigen Mischwalds im Creglinger Klosterwald, damit ein Windpark aus zehn zirka 200 m hohen Windindustrieanlagen erstellt werden kann, wird von großen Teilen der aufgeschreckten Bevölkerung immer stärker abgelehnt.

 

Die Bürger sind von der mehr oder weniger rücksichtslosen Art der Behörden enttäuscht, da diese die gesetzlichen Regelungen bezüglich des ohnehin bereits stark geschundenen Natur- und Landschaftsschutzes nicht durchsetzen.

Sind Gesetze und Vorschriften bezüglich Natur- und Artenschutz für den Bau von Windkraftanlagen außer Kraft gesetzt? Wo bleibt eine Überprüfung durch die Naturschutzverbände ?

 

Einerseits bestätigt das für den Klosterwald erstellte endgültige Artenschutzgutachten den relativ großen Umfang von in ihrer Population gefährdeten und deshalb geschützten Vogel- und Fledermausarten, indem es nach § 7 BNatSchG Absatz 2.13, 88 (!) besonders beziehungsweise 23 (!) Vogelarten, die laut §7Abs. 2.14 BNatSchG streng geschützte Vogelarten aufzählt, von denen 37 auf der "Roten Liste" für Baden-Württemberg und 18 auf der "Roten Liste" für Deutschland beziehungsweise auf der EU-Artenschutz-Liste stehen.

Daneben wurden noch 18 Fledermausarten identifiziert, die im Klosterwald ebenfalls ihr Habitat haben und von denen einige ebenfalls in ihrer Population hochgradig gefährdet sind. Bestätigt wird dies, insbesondere auch Rotmilan und Schwarzstorch betreffend, von Personen (beispielsweise Förster, Jäger, Naturschützer etc.), die sich von Berufs wegen im Klosterwald aufhalten.

Der Gutachter kommt zu der Schlussfolgerung, dass der geplante Windpark kein existenzielles Risiko für Vögel und Fledermäuse darstellt, da diese den Klosterwald bei ihren Flugrouten/Jagd-Korridoren - die Todesgefahr durch "Verschredderung" quasi im Voraus erkennend - sinngemäß weiträumig "umfliegen" beziehungsweise so hoch über die WKA-Standorte hinweg fliegen, dass angeblich kein Todesrisiko durch Rotorschlag entsteht.

Für uns als Bürger ist dies nicht nachvollziehbar. Kenner der Materie bezweifeln die Schlussfolgerungen des Gutachters allein schon deshalb, weil das Gutachten als Beobachtungszeitraum nicht alle vier Jahreszeiten umfasst, sich auf eine nur relativ geringe Zahl von Feld-Untersuchungen stützt und deshalb nicht repräsentativ ist.

Weiterhin wird nicht berücksichtigt, dass das Flug-, Jagd- und Brutverhalten jahreszeitlich bedingt, unterschiedlich ist.

Im Übrigen widersprechen diese Schlussfolgerungen allen Erkenntnissen wissenschaftlicher Institute, die angesichts der in der Nähe von WKA' s registrierten Totfunde von einem sehr hohen Gefährdungspotential für Vögel und Fledermäuse durch die bisher bundesweit rund 24 000 in Betrieb befindlichen Windindustrieanlagen ausgehen.

Der Diplom-Biologe Rainer Gottfriedsen hat in einer ausführlichen Stellungnahme zu den Belangen des Arten- und Biotopschutzes festgestellt, dass die Angaben des Gutachters zur Raumnutzung von WEA-empfindlichen Greifvogelarten insbesondere für das Waldinnere als unsicher zu bezeichnen seien.

Der Biologe geht außerdem davon aus, dass von weiteren Milan-Horsten ausgegangen werden muss. Er vermutet ferner, dass die angebliche Nicht-Präsenz überfliegender Individuen vor allem damit zusammen hängt, dass der Gutachter von den gewählten Beobachtungspunkten aus den inneren Waldbereich nicht einsehen konnte.

Die Bürgerinitiative "Rettet den Klosterwald" ist daher der Ansicht, dass die im Artenschutzgutachten gezogenen Schlussfolgerungen nicht als Beurteilungsgrundlage für das Genehmigungsverfahren dienen können.

Gefordert wird daher die erneute Einholung eines Artenschutzgutachtens durch einen Gutachter, der nicht aus dem Einflussbereich der Windkraft-Lobby kommt!

Die Bürgerinitiative "Rettet den Klosterwald" ist mit einem Stand beim Creglinger Pferdemarkt am kommenden Mittwoch in der Nähe der Sparkasse mit einem Stand vertreten.

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 08.02.2014                   
"