Rettet den Klosterwald

Klosterwaldbegehung am 22.03.14

Windkraft: Bürgerinitiative „Rettet den Klosterwald“ bot geführte Wanderung durch das geplante Windkraftgebiet

Große Gefahren für die Tierwelt befürchtet

 

Von unserer Mitarbeiterin Inge Braune

 

 

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Rund 200 Gegner eines Windparks im Klosterwald erkundeten unter der Führung des ehemaligen Försters Norbert Heisig das vorgesehene Areal.

© Braune

Frauental. Mit rund 200 Teilnehmern hatten die Organisatoren nie und nimmer bei ihrer Begehung im Klosterwald gerechnet. Eckehard Bach von der Creglinger Bürgerinitiative "Rettet den Klosterwald" freute sich über das große Interesse. Alte und junge Menschen schlossen sich der Begehung an, mit Kind, Hund, Kinderwagen. Dem Infozug voran lenkte Kutscher Walter Mehrer aus Niedersteinach sein Haflinger-Gespann - falls jemand unterwegs schlapp machen würde.

 

Zwar hatten sich Landrat Reinhard Frank und Creglingens Bürgermeister Uwe Hehn wie auch einige Mitglieder des Creglinger Gemeinderats aus Termingründen entschuldigt, aber dafür kamen neben vielen Creglingern auch die Vertreter zahlreicher Bürgerinitiativen aus dem Umland. Angereist waren sie aus Apfelbach-Althausen, Michelbach, Langenburg, Kirchberg-Ruppertshofen, Boxberg und Königheim - teilweise ausgestattet mit Plakaten, die sie auch auf der knapp fünf Kilometer langen Wegstrecke durch den Klosterwald mitführten.

Norbert Heisig ist Förster im Ruhestand. Lange betreute er das Revier Herbsthausen. "Ohne Wald wäre die Welt Wüste", sagt er. Er dient nicht nur als Sauerstofflieferant, Luftfilter und Wasserspeicher, sondern auch als Temperaturregulativ, als Bau- und Heizstoff, Tieren als Lebens- und Menschen als Erholungsraum. All das sieht er gefährdet - und spricht für viele seines Standes, die, so Heisig, "nichts sagen dürfen". Sehr besorgt ist er um den in weitem Umkreis einzigartigen Klosterwald mit seinen selten gewordenen Lärchenalleen, dem alten Eichenbestand und dem Totholzreichtum: ein einziger toter Eichenstamm, erklärt er, biete für bis zu 500 verschiedenen Lebensformen die ökologische Nische. Er fürchtet nicht nur Kahlschläge, sondern auch den zur Errichtung der Windräder erforderlichen Wegebau. Im Hunsrück hat er nachgemessen: Durch die 80 Zentimeter dicke Schotterschicht wachse lange, lange nichts mehr, erklärt er den Teilnehmern der Waldbegehung.

 

Für die in Bad Mergentheim lebende, auf Tiere spezialisierte Heilpraktikerin Verena Schöntag war der Streit ums Thema Windkraft nicht nötig, um sich um Vögel, Fledermäuse und alles, was im Wald so kreucht und fleucht, zu kümmern: Seit Jahren pflegt sie dieses Hobby, wandert im Winter schon mal mit großen Mengen Vogelfutter in die Wälder, kümmert sich um Nisthöhlen, Nistkästen oder ist auch schon mal während der Zeit der Krötenwanderung weit nach Mitternacht mit Eimern unterwegs, um den Tieren sicher über die Straße zu helfen.

Von 13 bis 15 Fledermausarten, darunter extrem gefährdete wie dem Großen Abendsegler, der Breitflügelfledermaus, der Zwerg-, Nord- und Rauhautfledermaus berichtet sie, von gefährdeten Vogelarten wie Korn-, Rohr- und Wiesenweihe, von Rot- und Schwarzmilan, die hier im Klosterwald zu finden sind, ebenso wie der Juchtenkäfer - der brachte um ein Haar Stuttgart 21 zu Fall - und die Gelbbauchunke, die andernorts bereits mehrfach Projekte verhinderte.

Was tut der Rotor hoch oben überm Wipfeldach Vögeln an? Er wirkt, sagt Verena Schöntag, wie ein "Schredder", der zudem starken Unterdruck erzeugt. Weder Vögel noch Fledermäuse sind von der Evolution drauf vorbereitet, in dieser Höhe Schlaggefahren zu erwarten und ihnen auszuweichen. Sie können das Tempo der Rotorblätter nicht einschätzen - und selbst, wenn sie nicht direkt getroffen werden, zerplatze durch den Unterdruck die Lunge der Luftwesen. Ganz übel sei es, wenn, wie im Klosterwald vorgesehen, Windräder in der Nähe von Tümpeln errichtet werden: Dort sammelt sich des Futterangebotes wegen das Luftgetier - und fliegt, so fürchtet die Naturschützerin, direkt in die Falle. Sie seien, stellt Eckehard Bach für die Bürgerinitiative klar, keineswegs gegen die Energiewende - aber sie sind strikt gegen Windräder im Wald. Der sei, so Bach, für den Windradbau der falsche Platz. Den Rundgang hatte offensichtlich auch ein verfrüht aktiver Osterhase begleitet, was rund um die Klosterwaldhütte für Begeisterung der mitgewanderten Kinder sorgte.

Abschließend griff Eckehard Bach ein Wort des Bergsteigers Reinhold Messner auf: Die Erzeugung alternativer Energien sei fehl am Platz, wenn sie genau das zerstöre, was man durch sie bewahren wolle - die Natur.

© Fränkische Nachrichten, Dienstag, 25.03.2014                   
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